Edicon Logo


Einbau von Smart Metern wird zur Pflicht

05.07.2016, 10:33 Uhr

(Quelle: RWE)

Am 23. Juni verabschiedete der Bundestag gegen die Stimmen der Opposition das „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“. Danach soll ab 1. Januar 2017 mit dem Einbau von intelligenten Messsystemen, sogenannten Smart Metern, begonnen werden. Stromkunden können sich gegen den Einbau nicht wehren, tragen aber die Kosten. Der Nutzen für die Kunden bleibt zumindest zweifelhaft.

Das Gesetz enthält neben Regelungen zum Datenschutz auch Vorgaben für den verpflichtenden Einbau von Smart Metern. Mit diesen intelligenten Messsystemen soll eine bessere Verknüpfung von Netzen, Erzeugung und Verbrauch erreicht werden. Sie nutzen also in erster Linie den Netzbetreibern. Bezahlen soll die Zeche aber wieder einmal der Endverbraucher. Die Bundesregierung begründet den verpflichtenden Einbau mit einer Kosten-Nutzen-Analyse, die in zahlreichen Studien angezweifelt wird.

Der Mehrwert der Smart Meter soll sich u.a. daraus ergeben, dass der Verbraucher seinen Stromverbrauch besser kontrollieren und Stromtarife zu Großabnehmerkonditionen buchen kann. Bei den derzeitigen Rahmenbedingungen für den Energiebezug darf das in Frage gestellt werden. Und solange der Verbraucher nicht freien Zugang zum jeweils günstigsten Anbieter bekommt, wird sich sein Verbrauchsverhalten allein durch die Möglichkeit einer ständigen Verbrauchskontrolle nicht wesentlich ändern.

Für den Einbau von Smart Metern hat der Gesetzgeber Preisobergrenzen festgesetzt, die sich am jeweiligen Einsparpotenzial des Verbrauchers und den durchschnittlichen Sowieso-Kosten von 20 Euro pro Jahr für den herkömmlichen Strom-Messstellenbetrieb orientieren. Bei Verbräuchen unterhalb von 6.000 kWh Strom pro Jahr decken die Preisobergrenzen von 23 Euro (brutto) pro Jahr bei einem Jahresverbrauch von weniger als 2.000 kWh bis hin zu 60 Euro (brutto) pro Jahr bei einem Jahresverbrauch von über 4.000 bis zu 6.000 kWh die Kosten für den Einbau eines Smart Meters offenbar nicht ab. Der Einbau ist für diese Verbrauchergruppen daher freiwillig. Er kann entweder vom Verbraucher selbst oder vom Liegenschaftsinhaber im Zuge von Modernisierungsmaßnahmen oder auch vom grundzuständigen Messstellenbetreiber veranlasst werden.

Für Verbraucher mit einem jährlichen Strombedarf von über 6.000 kWh wird der Einbau von intelligenten Messsystemen dagegen zur Pflicht. Der Messstellenbetreiber hat sich dabei an die gesetzlich festgesetzte Preisobergrenze von 100 Euro (brutto) pro Jahr zu halten. Aber hier ist Vorsicht geboten, denn aus dem ursprünglichen Gesetzentwurf wurde kurz vor der Verabschiedung durch den Bundestag auf Betreiben der Energiewirtschaft die Regelung gestrichen, dass die Einbaukosten „einschließlich der Installationsvorrichtungen“ vom Messstellenbetreiber zu tragen sind!

Diese entscheidende Streichung hat zur Folge, dass der Liegenschaftsinhaber die Kosten für die zum Einbau der Zähler häufig erforderlichen zusätzlichen Arbeiten selbst tragen muss! Diese können dann u.U. ein Vielfaches der Zählerkosten von 100 Euro betragen. Oft ist z.B. ein Telefon- bzw. Internetanschluss noch gar nicht vorhanden oder die neuen Zähler passen nicht in die vorhandenen Schaltkästen. Die erforderlichen Installations- und Umbaukosten können dann leicht 500 Euro und mehr, in einigen Fällen auch einen vierstelligen Betrag, ausmachen, der mit Energieeinsparung nicht mehr zu kompensieren ist.

Der Messstellenbetreiber muss den geplanten Einbau von Smart Metern drei Monate vorher ankündigen. Das ist wenig Zeit um die Installation und eventuell notwendige zusätzliche Installationsarbeiten abzustimmen. Da der Liegenschaftsinhaber seinen Messstellenbetreiber frei wählen kann, bleibt selbstverständlich die Möglichkeit eines Wechsels. Angesichts gesetzlich festgeschriebener Preisobergrenzen und des verpflichtenden Einbaus ist aber nur mit geringen Einsparungen zu rechnen.

Erschrocken dürften auch die Betreiber bestehender Erzeugungsanlagen nach dem EEG und dem KWKG reagieren. Der Gesetzgeber stuft diese Anlagen als netzrelevant ein und sieht im verpflichtenden Einbau von intelligenten Messsystemen für Anlagen mit jeweils über 7 Kilowatt installierter Leistung eine Möglichkeit zum sicheren und effizienten Netzbetrieb und damit zur Dämpfung des Anstiegs der Netzausbaukosten.

Ab 2018 soll der verpflichtende Einbau sogar noch erweitert werden auf neue Energieerzeugungsanlagen mit einer installierten Leistung über 1 bis einschließlich 7 Kilowatt. Die Opposition im Bundestag und der Bundesrat kritisieren diese Regelung heftig und sehen darin eine weitere Verschlechterung der Wirtschaftlichkeit kleinerer Photovoltaik-Anlagen.

Der Bundesrat wird sich am 8. Juli mit dem Digitalisierungsgesetz befassen. Bleibt abzuwarten, ob es noch zu Veränderungen kommt.