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Förderprogramm STEP up! für Unternehmen

15.11.2016, 23:52 Uhr

Die erste Ausschreibungsrunde des neuen Programms STEP up! zur Förderung von Stromeinsparungen im Rahmen wettbewerblicher Ausschreibungen ist bereits am 1. Juni 2016 gestartet und lief bis zum 31. August 2016. Die Resonanz war offenbar so schlecht, dass die mit der Prüfung und Durchführung vom BMWi beauftragten Institutionen VDI|VDE|IT und ÖKOTEC am 25.10.2016 zu einem Workshop für Contractoren in die Zentrale des ZVEI in Frankfurt am Main einluden. Antragsberechtigt sind aber nicht nur Contractoren, sondern auch Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft, einschließlich wirtschaftlich tätiger kommunaler Betriebe, mit Betriebsstätte oder Niederlassung in Deutschland. Wir haben die Veranstaltung für Sie besucht und berichten nachfolgend.

Seit Dezember 2015 sind Energie-Audits für alle Nicht-KMU gesetzlich vorgeschrieben. Energie-Audits und –Managementsysteme zeigen in den Unternehmen große Effizienzpotentiale auf, die von den Unternehmen aber vielfach gar nicht genutzt werden, weil die Vorteile von Effizienzmaßnahmen noch nicht hinreichend bekannt sind. Dementsprechend niedrig sind Investitionen in entsprechende Maßnahmen. Das STEP up! Förderprogramm soll Unternehmen aller Branchen einen weiteren Anreiz zur Umsetzung von Stromeffizienzmaßnahmen bieten. In der Pilotphase von 2016 bis 2018 ist dafür ein Budget von rund 300 Mio. Euro geplant.

Sektor- und technologieoffen werden Investitionen in Standardtechnologie bis hin zu passgenauen Systemlösungen zur Steigerung der Stromeffizienz gefördert. Der Haken daran ist, dass die antragstellenden Unternehmen im Wettbewerb um Fördermittel gegeneinander antreten. Den Zuschlag erhalten die Projekte mit der größten Stromeinsparung pro Fördereuro, d.h. je höher die Stromeinsparungen und je geringer der Förderbeitrag, desto besser die Chancen im Wettbewerb. Die Kalkulation der Amortisationszeiten ist deshalb schwierig, weil man vorher nicht weiß, ob das Projekt bei der Förderung berücksichtigt wird. Es wurde aber eingeräumt, dass nahezu jeder Antrag, der die Bedingungen erfüllt, berücksichtigt wird, wenn die Zahl der Anträge in der zweiten Ausschreibungsrunde so gering bleibt wie in der ersten.

Die zweite Ausschreibungsrunde läuft vom 1. Oktober 2016 bis zum 31. Januar 2017 für Unternehmen aller Branchen in Form einer offenen Ausschreibung, für Contractoren, die ihre Maßnahmen im Rahmen eines Contracting durchführen, als geschlossene Ausschreibung. Die offene Ausschreibung bezieht sich sektor- und technologieoffen auf individuelle Stromsparmaßnahmen beim Antragsteller oder seinen Kunden, während die geschlossene Ausschreibung für Contractoren auf bestimmte Sektoren, Zielgruppen, Technologien und Themen fokussiert ist. Die Themen der geschlossenen Ausschreibung wechseln mit jeder Ausschreibungsrunde. Es gelten themenspezifisch ergänzende oder auch abweichende Voraussetzungen, die in der jeweils aktuellen Förderbekanntmachung festgeschrieben sind. Das Thema der jeweils aktuellen geschlossenen Ausschreibung finden Sie hier.

Beide Ausschreibungsarten laufen parallel zueinander. Beantragt werden können in beiden Kategorien jeweils Einzel- oder Sammelprojekte, wodurch in jeder Ausschreibungsrunde jeweils bis zu vier Wettbewerbskategorien möglich sind. Contractoren sind allerdings von den Sammelprojekten ausgeschlossen. Alle bis zum Stichtag eingereichten Anträge werden auf Einhaltung der Wettbewerbsbedingungen geprüft. Alle positiv bewerteten Anträge werden dann je Wettbewerbskategorie in ein Ranking eingeordnet.

Gefördert werden z.B. Erneuerungs- und vorgezogene Ersatzinvestitionen wie der Austausch und Ersatz einer bestehenden Technologie durch Hocheffizienztechnologie, aber auch Zusatzinvestitionen, wie die Ergänzung bestehender Systeme durch Neuanschaffung zusätzlicher Hocheffizienztechnologien oder technischer Maßnahmen. Das jeweilige Projekt muss auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland umgesetzt werden.

Für die Antragstellung gelten bei der offenen Ausschreibung insbesondere folgende Bedingungen:

• Amortisationszeit: Die Investition darf sich frühestens nach drei Jahren bei einer technologieabhängigen Nutzungsdauer von mindestens zehn Jahren durch die eingesparten Stromkosten, die ohne Förderung entstanden wären, amortisieren.

• Kosten-Nutzen-Grenzwert: Die beantragte Fördersumme geteilt durch die angesetzte Nutzungsdauer darf maximal 0,10 €/kWh betragen.

• Projektgrößen (Fördersumme):

- Kleine Einzelprojekte: 30.000 € - 250.000 €

- Große Einzelprojekte: 250.000 € - 1.500.000 €

- Sammelprojekte: 250.000 € - 1.500.000 €

• Förderquote: Es gilt eine maximale Förderquote von 30% der Investitionsmehrkosten und eventueller Nebenkosten, also auch Montagekosten, die der Einsatz einer hocheffizienten Technologie im Vergleich zu einer Standardtechnologie verursacht.

• Projektlaufzeit: Die Laufzeit der Projekte darf inklusive der Nachweisperiode für die erbrachte Stromeinsparung maximal drei Jahre betragen, für Kleinprojekte maximal zwei Jahre.

Der Projektantrag ist online über das Portal von easy-Online zu stellen. Zusätzlich ist die fristgerechte Einreichung eines rechtsverbindlich unterschriebenen Antrags in Papierform erforderlich. Der Antrag für Einzelprojekte muss folgendes beinhalten:

• Darstellung des aktuellen Status quo und der geplanten Maßnahme(n) im Unternehmen:

- Technische Ausgangslage und aktueller Stromverbrauch

- Geplante investive Maßnahme(n) und Investitionsmehrkosten

- Erwarteter Stromverbrauch

• Dokumentation/ Nachweis der Stromeinsparung:

- Messtechnologie und Messverfahren

• Berechnung der Wettbewerbsparameter:

- Berechnungstools, Kennzahlen

• Große Einzelprojekte:

- Mit den Antragsunterlagen Vorlage eines Nachweises, dass die Berechnung der Stromverbräuche durch eine anerkannte,  qualifizierte Person oder Organisation verifiziert worden ist

Bei Einzelprojekten sind die bewilligten Fördermittel an den Nachweis der geplanten Stromeinsparung gebunden. Im Nachweis sind die erreichte absolute und die relative Stromeinsparung zu berücksichtigen. Wird die geplante Stromeinsparung nicht erreicht, wird die Fördersumme entsprechend gekürzt. Während der Projektlaufzeit können maximal 50% der bewilligten Fördersumme ausgezahlt werden, die Auszahlung des Restbetrages erfolgt nach Prüfung des Verwendungsnachweises, inklusive Nachweis der erzielten Stromeinsparung.

Zum kompletten Antrag bei Sammelprojekten gehören:

• Darstellung des aktuellen Status quo sowie der Maßnahme:

- Beschreibung der Zielgruppe

- Ausgangslage und aktueller durchschnittlicher Stromverbrauch

- Geplante investive Maßnahmen(n) und durchschnittliche Investitionsmehrkosten

- Erwarteter durchschnittlicher Stromverbrauch

- Administrativer Aufwand des Projektbündlers (Overhead)

- Auszahlung der Fördermittel in Form einer Gesamtpauschale:

1. Förderpauschale zur Weiterleitung an die Dritten: Kosten zur Anschaffung und fachgerechten Inbetriebnahme der jeweiligen Technologie

2. Overheadpauschale für den Projektbündler (Maximal 20% der Fördermittel)

Für Sammelprojekte wird der Einsparnachweis auf Grundlage von Durchschnittswerten je umgesetzter Maßnahme bei Dritten/Kunden erbracht. Belegt durch eine Maßnahmenübersichtsliste kann der Fördermittelabruf (Förder- und Overheadpauschale) quartalsweise erfolgen.

Das Thema der geschlossenen Ausschreibung lautet in der zweiten Ausschreibungsrunde: Umsetzung von Effizienzmaßnehmen im Rahmen von Contracting. Damit scheint auch das BMWi endlich zu der Erkenntnis gelangt zu sein, dass die Umsetzung von Energieeinsparmaßnahmen im Rahmen von Contracting durch eine ganzheitlichere Betrachtung der Prozesse (Technik und Betriebsführung) häufig eine höhere Wirkung erzielt. Beantragt werden können nur Einzelprojekte, der Anteil an Beleuchtung darf dabei maximal 30% der Gesamteinsparung betragen. Die Fördersumme liegt zwischen 5.000 Euro bis 1.500.000 Euro. Die Projektlaufzeit beträgt maximal 3 Jahre.

Bei Antragstellung von Einzelprojekten im Rahmen von Contracting ist der Entwurf eines neuen, separaten Contracting-Vertrages vorzulegen, der die geförderte Maßnahme(n), die Vertragsparteien und die Vertragslaufzeit benennt. Der Contracting-Vertrag muss mindestens die angerechnete Nutzungsdauer der geförderten Maßnahme(n) im Rahmen von STEP up! abdecken. Beide Vertragsparteien müssen bestätigen, dass der Contractingnehmer über die Inanspruchnahme der Förderung sowie über die Höhe des maximalen Förderbetrages informiert wurde, und dass beide Vertragsparteien mit Prüfungen durch den Zuwendungsgeber oder von ihm beauftragte Stellen sowie durch den Bundesrechnungshof einverstanden sind.

Angesichts der hohen Anforderungen und der wenigen verbleibenden Zeit bis zum Ende der zweiten Ausschreibungsrunde am 31. Januar 2017 dürfte die Suche nach geeigneten Projekten und die Antragstellung für Contractoren eine große, kaum lösbare, Herausforderung sein. Die nächste Ausschreibungsrunde läuft vom 1. März bis 31. Mai 2017. Das Thema für die geschlossene Ausschreibung dürfte dann aber wieder ein anderes sein. Bis zum Ende der Pilotphase sind bis Ende 2018 pro Jahr zwei Ausschreibungsrunden jeweils im März und September geplant.

Die vollständigen Teilnahmebedingungen zu STEP up! sind in der Förderrichtlinie (hier) sowie der jeweils aktuellen Förderbekanntmachung (hier) nachzulesen. Für Rückfragen steht Ihnen außerdem der Projektträger zur Verfügung, dessen Kontaktdaten Sie hier finden.