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Umlagen machen Strom auch 2017 wieder teurer!

16.11.2016, 10:50 Uhr

Die Strompreise werden trotz geringerer Beschaffungskosten an der Leipziger Strombörse auch 2017 für den Endverbraucher wieder auf ein neues Rekordniveau steigen. Ursachen dafür sind insbesondere deutlich steigende Netzentgelte sowie eine wiederum erhöhte EEG-Umlage. Gut für den Bundesfinanzminister, dass auf jede Erhöhung auch 19% Umsatzsteuer berechnet wird. Schlecht für Stromkunden mit „Preisgarantie“, dass diese Umlagen i.d.R. von der Garantie ausgeschlossen sind.

 

Quelle: http://strom-report.de/strompreise/#strompreis-2016

Die Kosten für den Transport des Stroms stellen mit einem Anteil von fast 25% den größten Kostenblock in der Zusammensetzung des Strompreises dar. Laut Strom-Report.de steigen die Netzentgelte zum Jahreswechsel im bundesdeutschen Durchschnitt um rd. 9%. Dabei gibt es allerdings starke regionale Unterschiede. Insbesondere dort, wo für den Transport der erneuerbaren Energien hohe Investitionen in die Nord-Süd-Trasse erforderlich sind, steigen die Netzentgelte besonders stark. So hat der Übertragungsnetzbetreiber Tennet angekündigt, seine Transportkosten um bis zu 80% zu erhöhen. Auch 50 Hertz, Amprion und TransnetBW wollen die Preise erhöhen, wenn auch nicht in so starkem Maß. Das Fatale daran ist, dass diejenigen, in deren Region Strom aus erneuerbaren Quellen im Überschuss vorhanden ist, die Zeche für die bezahlen müssen, die den Strom aufgrund der geplanten Abschaltung der Atomkraftwerke eigentlich benötigen. Besonders betroffen von den sehr hohen Netzentgelten sind die norddeutschen Bundesländer, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Das konterkariert gleichzeitige Bemühungen, in den wirtschaftlich schwachen Regionen Unternehmen anzusiedeln und Arbeitsplätze zu schaffen. Eigentlich Grund genug, über eine Systemkorrektur und bundeseinheitliche Netzentgelte nachzudenken, wenn die Akzeptanz zur Energiewende nicht verloren gehen soll.

Trotz der von Bundeswirtschaftsminister Gabriel zu Beginn der Legislaturperiode versprochenen Kostenbremse steigt auch die EEG-Umlage unaufhörlich weiter. Sie wird 2017 auf den Spitzenwert von 6,88 ct/kWh steigen und liegt damit gut 8% über der EEG-Umlage von 2016 (6,354 ct/kWh). Ursprünglich ging die Agora Energiewende in ihrer Prognose sogar von einer EEG-Umlage von 7,1 bis 7,3 ct/kWh aus. Aber 2017 steht die Bundestagswahl an, und da ist die Politik daran interessiert, die Stromkosten nicht allzu sehr in die Höhe zu treiben. Mit einem „Taschenspielertrick“ wurde die EEG-Umlage deshalb auf unter 7 ct/kWh gedrückt.

Mit der Begründung, dass mit dem EEG 2017 der Ausbau der erneuerbaren Energien gedrosselt werde und Erneuerbare somit nur moderat in den Markt drängen, halten die Übertragungsnetzbetreiber die für 2016 auf 10% festgesetzte Liquiditätsreserve für überhöht und eine Reserve von 5% zur Absicherung für ausreichend. Dadurch sinkt der Anteil an der EEG-Umlage von rd. 0,6 ct/kWh auf ca. 0,3 ct/kWh. 2018 würde dann jedoch teurer. Die Agora Prognose geht davon aus, dass die EEG-Umlage bis 2023 noch um 1-2 ct/kWh ansteigt, bevor sie dann bis 2035 kontinuierlich um 2-4 ct/kWh absinkt.

Der durchschnittliche Strompreis für den Endverbraucher dürfte durch diese Entwicklung im kommenden Jahr die Marke von 30 ct/kWh überschreiten und sich damit rasanter entwickeln, als die Inflationsrate. Keine guten Aussichten für die Zeit bis 2023, für die die Bundesregierung das Motto ausgegeben hat: Die Zukunft ist elektrisch!