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Neue Pauschalwerte zur Ermittlung des JNG

Zu Jahresbeginn haben die Verbände BDEW, AGFW, ESCO Forum im ZVEI, VfW und B.KWK die Ergebnisse einer Studie zur „Ermittlung von anerkannten Pauschalwerten für den Jahresnutzungsgrad (JNG) von Heizungsanlagen“ vorgelegt. Sie erhoffen sich durch das Gutachten neue Impulse bei der Umstellung auf gewerbliche Wärmelieferung in der Wohnungswirtschaft, um den Investitions- und Sanierungsstau bei Bestandsimmobilien abzubauen.

Die Bundesregierung hält unverändert an ihrem Ziel fest, bis 2050 eine weitgehend klimaneutrale Energieversorgung zu erreichen. Per Gesetz und Verordnungen werden die energetischen Rahmenbedingungen für den Neubau von Immobilien daher immer weiter verschärft. Die größten Potenziale liegen aber im Gebäudebestand. Hier hat sich insbesondere im Mietwohnungsbereich über Jahre ein Investitions- und Sanierungsstau aufgebaut. Solange die Brennstoffkosten vom Vermieter in voller Höhe auf den Mieter umlegbar sind, spielt die Effizienz der Heizungsanlage eine untergeordnete Rolle. Daran haben in Zeiten knappen bezahlbaren Wohnraums auch Auflagen wie der Gebäudeenergiepass wenig geändert.

Der Gesetzgeber versuchte dem entgegenzuwirken, indem er mit der Novellierung des Mietrechts 2013 die Umstellung von Eigenbetrieb auf gewerbliche Wärmelieferung im § 556c BGB in Verbindung mit der Wärmelieferverordnung (WärmeLV) ausdrücklich zuließ, wenn „die Kosten der Wärmelieferung die Betriebskosten für die bisherige Eigenversorgung … nicht übersteigen.“ Gerade der Nachweis der Kostenneutralität erwies sich bisher vielfach jedoch als unüberwindbare Hürde, da Wärmeerzeugung und Wärmeverbrauch vom Vermieter i.d.R. nicht gemessen wird, der JNG der Heizanlage daher nur rechnerisch ermittelt werden kann.

Für die Berechnung gibt der Gesetzgeber in der WärmeLV „anerkannte Pauschalwerte“ aus den Tabellen einer vom Bundesbauministerium veröffentlichten „Bekanntmachung der Regeln zur Datenaufnahme und Datenverarbeitung im Wohnungsbestand“ vor, die Altanlagen in der Effizienz zu gut darstellen und die Realität nicht richtig widerspiegeln. Die vorgenannten Verbände gaben deshalb ein Gutachten zur „Ermittlung von anerkannten Pauschalwerten für den Jahresnutzungsgrad (JNG) von Heizungsanlagen“ bei der EBZ Business School in Bochum in Auftrag.

Das Gutachten ist inzwischen fertig und belegt, dass die in der WärmeLV vorgegebenen Tabellenwerte oft nur eine Genauigkeit von 4 bis höchstens 33% liefern, der JNG der Bestandsanlagen i.d.R. also zu hoch eingeschätzt wird. Demgegenüber erreichen die im Gutachten ermittelten neuen Pauschalwerte eine Genauigkeit von 70%. Die dem Gutachten zugrunde liegenden Datensätze stammen aus Liegenschaften der Wohnungswirtschaft, die entweder von den Wohnungsunternehmen selbst oder von Contractoren betrieben und mittels Wärmezähler gemessen werden. Praxisnahe Einflussfaktoren wie Betriebsvolllaststunden und Brennerart wurden erstmalig in die Berechnungssystematik einbezogen und schaffen so deutlich mehr Transparenz und Vertrauen.

Nach Ansicht der Verbände stellt die Berechnungsformel für die neuen Pauschalwerte die vom Gesetzgeber im Sinne der WärmeLV geforderte wissenschaftlich abgesicherte Grundlage zur Ermittlung „anerkannter Pauschalwerte“ dar. Die Verbände bemühen sich daher jetzt um eine Verrechtlichung dieser neuen Pauschalwerte und sind mit den zuständigen Regierungsstellen in die Diskussion getreten. Erst wenn der Gesetzgeber die neuen Pauschalwerte offiziell zulässt, gelten sie als „anerkannt“. Das vollständige Gutachten können Sie unter folgendem Link kostenlos herunterladen:

http://www.energiecontracting.de/6-verband/arbeitskreise/docs/2015_10_08_Gutachten-anerkannte-Pauschalwerte-JNG.pdf